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18.07.2018 11:08 Alter: 96 days

Verleihung der Ehrennadel der Stadt Heilbad Heiligenstadt an Pater Otto

Die Verdienste von Salesianerpater Franz-Ulrich Otto um die Villa Lampe in unserer Stadt sind beispielhaft. Das betonte auch Bürgermeister Thomas Spielmann in seiner Begrüßung am Mittwoch, 27.06.2018, aus Anlass der Verleihung der Ehrennadel an Pater Otto:


„Die Stadt ohne die Villa kann ich mir nicht vorstellen. Sie ist weit mehr als ein Jugendtreff. Sie ist ein Teil unserer Stadt“. Egal welcher Konfession die Jugendlichen angehören, sie sind immer in der Einrichtung willkommen. Der Beschluss zur Verleihung der Ehrennadel an Pater Otto erfolgte durch den Stadtrat einstimmig. Dass freue ihn besonders, so der Bürgermeister, der alle Gäste herzlich zu der Feierstunde begrüßte.

In der Laudatio würdigte die Erste Beigeordnete Ute Althaus seine Verdienste und spannte den Bogen von den Anfängen in der Wendezeit bis zu seinem Weggang im Jahr 2004. Trotz allem ist er auch heute noch der Villa treu verbunden und steht ihr als Geschäftsführer vor.

Ute Althaus erinnerte an die Nachwendezeit, als nicht klar war, wie es mit der Jugendarbeit in unserer Stadt weitergehen sollte. Die CDU-Fraktion, der damalige Bürgermeister Bernd Beck und auch die damalige Erste Beigeordnete Heidemarie Borm waren im Januar 1991 zu einer Fortbildung in Königswinter und nutzten die Gelegenheit, Jugendhäuser in Köln und Essen zu besuchen. Dort trafen sie auf den aus Duderstadt stammenden Salesianerpater Pater Otto. „Ihre Herzlichkeit, Offenheit  und Freundlichkeit begeisterte von Anfang an“. Und so wurde das Modelprojekt „Abeitsbezogene Jugendsozialarbeit“ am Holzweg unter den Namen „Villa Lampe“ gestartet.

Die Übergabe des Hauses, welches zuvor eine Kindertagesstätte war, erfolgte am 22.11.1991 an den Orden der Salesiander Don Bosco. Und damit begann für den Stadtjugendseelsorger Pater Otto die „Pendelzeit“ zwischen Essen und unserer Stadt. Am 04.09.1992 gab er seine Tätigkeit in Essen auf und widmete sich fortan ganz und gar der neuen Aufgabe in der Villa Lampe. „Sie haben Vieles hinter sich gelassen, um sich hier Ihrer neuen Leitungsaufgabe zu widmen. Dafür gebührt Ihnen noch heute unser aller Dank“, so die Erste Beigeordnete.

Dass die Jugendarbeit in unserer Stadt so gut gelungen ist, haben wir Pater Otto und seinen Mitstreitern zu verdanken, bemerkte Ute Althaus. Viele Jugendliche konnten und können noch heute dort einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachgehen. Nicht selten haben auch Jugendliche dort ein Zuhause auf Zeit gefunden. Junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten, ihnen zuzuhören und zu fördern, auch das war und ist in der Villa möglich.

Pater Otto habe es auch verstanden, das Wirken der Salesianer über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen. Zahlreiche Besuche hochrangiger Politiker bezeugen dies: Angela Merkel (1993), Dr. Bernhard Vogel (2001) und Dieter Althaus, der sowohl als Kultusminister als auch später als Ministerpräsident des Freistaates Thüringen die Einrichtung besuchte.

Pater Otto habe stets unterstrichen, dass niemand an der Tür nach seiner Konfession gefragt werde. Seine Maxime war: „Offen für alle, aber nicht für alles“, denn rechtes Gedankengut habe keinen Platz in der Villa. Mit den Jahren wurden die Räumlichkeiten zu klein und es wurde an- und ausgebaut. Mit Hilfe des Villa-Teams wurden Modellprojekte in den Schulen gestartet, um die Jugendarbeit weiter zu verbessern. Auf den Liethen wurde eine Außenstelle eröffnet.

Wie wichtig die Einrichtung noch heute ist, beweist, dass täglich ca. 120 Kinder und Jugendliche ihre Freizeit in der Villa verbringen. Und das ist dem gesamten Team zu verdanken, wie Pater Otto stets betont. Dabei würdigte Ute Althaus vor allem auch seine Gesprächskultur in Beratungen mit hilfe- und ratsuchenden jungen Menschen.  

Auch wenn sein Orden Pater Otto im Jahr 2004 nach Berlin berief, um neue Leitungsaufgaben zu übernehmen, so wurde der gute Ruf dieser Einrichtung bis heute verteidigt. Zudem ist Pater Otto regelmäßig als Geschäftsführer noch hier in seiner „ehemaligen Villa Lampe“ am Holzweg.

Sichtlich gerührt nahm Pater Franz–Ulrich Otto die Goldene Anstecknadel mit dem Heiligenstädter Wappen sowie die Urkunde aus den Händen des Bürgermeisters entgegen.

Pater Otto betonte, dass er sichtlich überrascht gewesen sei, als der Anruf aus dem Rathaus kam. „Da war es zu spät, um das rückgängig zu machen“, sagte er unter Beifall und dem Schmunzeln der Gäste, darunter viele Weggefährten, die er alle herzlich grüßte. Diese Ehrung würde er nicht für sich allein beanspruchen, sondern sehe sie als Würdigung für das gesamte Villa-Team. „Die Villa war und ist ein Gemeinschaftsprojekt“.

Dann berichtete er von den Anfängen und dass der Orden vor Ort eigentlich gar nicht helfen könnte. Aber die Beharrlichkeit des damaligen Bürgermeisters Bernd Beck und vieler Mitstreiter seien so großartig gewesen, so dass er sich nicht getraut hätte, das auch so zu sagen. Schließlich seien zwei Dinge ausschlaggebend gewesen, doch nach Heiligenstadt zu gehen: das Engagement bei der Gründung des Trägervereins und ganz wichtig, der Wille der Jugend.

Sein Dank galt nicht nur den Verantwortlichen der ersten Stunde, sondern allen Mitarbeitern. „Ich bin damals gern hierhergekommen, nahe meiner Heimat Duderstadt“. Gerade seine Familie habe ihm Halt gegeben. Abschließend dankte er allen und namentlich Marcel Krumtünger und Thomas Kewitz, seinem Ordensbruder. Und er dankte seiner Ordensgemeinschaft, die bis heute an der Villa festhält und das in einer Zeit, wo viele Ordenshäuser auf Grund von Personalmangel schließen. Und selbst versprach er, dass er alle in die Pflicht nehme, an der Villa Lampe und der Zukunft der jungen Generation weiter zu bauen.

Landrat Dr. Werner Henning betonte in seinem Grußwort, dass ihm diese Würdigung aus der Mitte des Heiligenstädter Bürgertums zuteilwerde. Die Stadt ehre ihn für all das, was er hier Gutes geleistet habe. Er habe sich damals der Aufgabe gestellt, in einer Zeit, wo sich hier vieles änderte. Z. B. gehörte das christliche Leben nicht in die Öffentlichkeit, sondern in die Kirchengemeinden. Dann kam die „neue Zeit“ und er habe es verstanden die Jugendlichen mitzunehmen.

Die Feierstunde wurde musikalisch umrahmt von Bastian Jünemann am Klavier.