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23.08.2022 21:58 Alter: 39 days

Heiligenstädter Straßennamen Josef-Rodenstock-Straße


Im Gewerbegebiet an der A 38 gibt es die Josef-Rodenstock-Straße.

Josef Rodenstock, am 11. April 1846 im Eichsfelddorf Ershausen geboren, am 18. Februar 1932 in Erl/Tirol gestorben, gründete das Unternehmen „G. Rodenstock Fabrikation mathematischer & physikalischer Instrumente“. Die Abkürzung G. bezieht sich auf Georg, den Vornamen seines Vaters. Über seine Biographie informiert Günter Liebergesell, Vorsitzender des Heiligenstädter Geschichts- und Museumsvereins: „Die Rodenstock GmbH oder wie man auch heute sagt die Rodenstock Group ist ein weltweiter Innovationsführer im Bereich Augengesundheit und bedeutender Hersteller von Brillengläsern und Brillenfassungen. Das 1877 gegründete Unternehmen mit Sitz in München ist in mehr als 85 Ländern mit Vertriebsniederlassungen vertreten. Die Rodenstock GmbH beschäftigt weltweit rund 4.900 Mitarbeiter und unterhält Produktionsstätten in 13 Ländern.“

Bereits als Vierzehnjähriger und Ältester von insgesamt vier Kindern musste Josef als Tagelöhner mit für den Unterhalt der Familie sorgen, die inzwischen in Krippen bei Remagen lebte. Josef Rodenstock blieb sein Leben lang Autodidakt. Sehr gern hätte er ein Gymnasium besucht, doch seine Mutter verbot es ihm. Ihrer Meinung nach wusste ihr Sohn schon genug und sollte lieber Geld verdienen, denn der Familie ging es wirtschaftlich schlecht. So blieb sein Wunsch, Lehrer oder Theologe zu werden, nur ein Traum. Sein Wissen eignete sich Josef Rodenstock selbst an. Bücher und Zeitschriften soll er nahezu „verschlungen“ haben. Sein Vater gab ihm ein Startkapital von eineinhalb Talern für den Wanderhandel mit Kurzwaren im Westerwald. Josef verkaufte mit Erfolg z. B. Nadeln, Schnallen, Zwirn und Knöpfe. Von seinem Onkel Johann Georg erfuhr er von den erfolgreichen Geschäften jüdischer Händler im Raum Köln/Bonn mit Rasiermessern und Brillen. Josef und sein Vater entschieden sich für den Verkauf von Brillen und Quecksilberbarometern. Der Sohn erfand eine Methode, beschädigte Barometerröhrchen wieder zu befüllen „und entschloss sich, sie selbst herzustellen.“ Weil die Mutter Heimweh nach dem Eichsfeld hatte, war die Familie 1861 nach mehreren Ortswechseln zunächst wieder nach Ershausen zurückgekehrt.

Zu den Erfindungen und Konstruktionen Josef Rodenstocks zählen: „Taschen-Säuremesser zur Bestimmung der Essigsäure in Bier oder Wein, eine Lupe für die Hopfenprüfung, Metalltachometer für Bierwürzen, eine Wasserwage für Maurer und Zimmerleute und die Anfertigung der ersten Brillenfassungen aus Golddoublé sowie ‚Diaphragma-Brillengläser‘.“ Absatzgebiete waren Deutschland und ausländische Städte. Am 12. Oktober 1878 meldete er sich als Fabrikant von physikalischen, optischen und mathematischen Instrumenten in Würzburg an. Ab 1886 war München der Firmensitz. Zu den Produkten Josef Rodenstocks gehörten „die ersten Korrektions-Sonnenschutzgläser mit UV-Schutz. Auch Feldstecher, Operngläser und Optiken für Kameras.“

Christine Bose

(Quelle: Dank für die Informationen an Günter Liebergesell, Heilgenstadt, Vorsitzender des Heiligenstädter Geschichts- und Museumsvereins. Sein vollständiger Beitrag unter dem Titel „Kommerzienrat Josef Rodenstock“ mit sämtlichen Quellenangaben ist zu finden unter  www.heiligenstaedter-gmv.de Archiv, 2021, Online-Vorträge.)