Die Sage vom Möhrenkönig

Es geschah einmal in grauer Vorzeit, dass sich ein Heer in feindlicher Absicht der Stadtmauer Heiligenstadts näherte. Der Wächter auf dem Altstädter Kirchturm sah das nahende Unheil, reagierte schnell und ließ sämtliche Stadttore verriegeln. Sämtliche – bis auf eines, zu dem der Riegel fehlte. Im Eifer des Gefechts verschloss der Wächter dieses Tores den Zugang mit einer großen Möhre, die ihm seine Frau vom Feld mitgebracht hatte. Schon kamen die Feinde und rannten gegen das Tor – doch, oh Wunder – die Möhre hielt stand und der Feind hatte verloren. Die Heiligenstädter wähnten sich in Sicherheit, gaben die Suche nach dem echten Torriegel auf und ließen die standhafte Möhre kurzerhand stecken.

Die Geschichte wäre glücklich zu Ende gegangen, hätte sich da nicht eine hungrige Ziege eingemischt, die die Möhre zur Freude des Feindes genüsslich verspeiste. Kaum hatte sie ihren Hunger gestillt, griffen die Belagerer erneut an. Diesmal mit Erfolg. Sie stießen ohne jeden Widerstand das Stadttor auf und nahmen Heiligenstadt triumphierend ein. Die Geschichte vom Möhrenriegel sprach sich natürlich schnell herum und brachte den Heiligenstädtern ihren außergewöhnlichen Spitznamen ein. Die „Heiligenstädter Möhrenkönige“.

Da jeder Heiligenstädter Spaß versteht und auch mal über sich selbst lachen kann, kehrt er diese peinliche Begebenheit aber nicht unter den Teppich, sondern steht zu seiner Geschichte. Jedes Jahr im Herbst feiert er ein gewaltiges Stadtfest im Zeichen der Möhre – das Heiligenstädter Möhrenkönigsfest.