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Geschichte des Stadtarchives

Die nachvollziehbare Geschichte des Heiligenstädter Stadtarchivs beginnt mit einem traurigen Datum, dem 1. März 1739. An diesem Tag brach der zweite große Stadtbrand aus.
Auch das Rathaus, in dem nahezu alle städtischen Akten gelagert waren, brannte fast vollständig aus. Die Heiligenstädter Willkür ist eine der wenigen Ausnahmen, die gerade noch vor den Flammen gerettet werden konnte.

Anfänge archivischer Tätigkeit

Mit dem Bau des neuen Rathauses wurde auch der Platz geschaffen, an dem die neue Aktensammlung der Stadt angelegt wurde. Hier bewahrte man die sich mit der Zeit mehrenden Bestände mehr oder weniger fachgerecht auf. Einer der Ersten, die sich mit den Beständen des Archivs wissenschaftlich auseinandersetzten, war der Heiligenstädter Jesuit Johann Wolf. In den 1880er Jahren wurde der Heiligenstädter Seminarlehrer Christian Werner (1848-1909) vom Magistrat des Öfteren um Rat gebeten, wenn beim Archiv betreffende Anfragen bei der Stadtverwaltung eingingen. Eine feste Stelle für einen Archivar gab es allerdings nicht. Da die Bestände des Archivs jedoch weitgehend ungeordnet und unverzeichnet lagerten, war es fast unmöglich, es zu benutzen. Bei dringenden Problemen wurde der Betreuer des Archivs des Bischöflichen Geistlichen Kommissariates zu Heiligenstadt, Pfarrer Philipp Knieb (1849-1915), zu Rate gezogen. Er erklärte sich auch bereit, die geplante Ordnung des Bestandes vorzunehmen. Der Historiker Dr. Johannes Müller (1884-1957) sorgte nach dem ersten Weltkrieg bei den durchweg unsignierten Beständen zumindest für eine flüchtige Ordnung. Er gilt heute als Retter des wenigen noch vorhandenen Altbestandes, denn nur durch seine Intervention wurde das in einem feuchten Kellerraum lagernde, stark angegriffene Archiv vor der vollständigen Vernichtung bewahrt. Er sorgte dafür, dass die Akten in einen trockenen Raum verbracht wurden. Erst 1939 wurde beim Umbau des Rathauses im zweiten Obergeschoß ein eigener Archivraum geschaffen. Doch auch dieser war wenig ideal. In den Jahren 1940 bis 1943 wurde das Heiligenstädter Stadtarchiv auf Veranlassung der Archivberatungsstelle der Provinz Sachsen in Magdeburg durch Dr. Lotte Knabe neu geordnet. Vorerst übernahm der Heiligenstädter Standesbeamte Schneider nebenamtlich die Betreuung des Archivs. Während bereits im September 1943 erste Akten im Luftschutzkeller gelagert wurden, aber noch für die Akteneinsicht zur Verfügung standen, wurden die Bestände 1944 durch ihre kriegsbedingte Auslagerung ins Forsthaus bei Kalteneber für Benutzer wieder unzugänglich. Erst 1947 kehrten die Akten ins Rathaus zurück.

Neubeginn nach dem II. Weltkrieg

Nach dem Krieg erfolgte die Betreuung des Archivs bis 1956 ehrenamtlich durch Dr. Johannes Müller, den Leiter des auf seine Initiative hin gegründeten Eichsfelder Heimatmuseums Heiligenstadt. Ein weiterer Bestandsaufbau erfolgte nicht, und so sammelten sich die aus den Abteilungen ausgeschiedenen Altregistraturen seit etwa 1930 im Stadtarchiv, dem darüber liegenden Dachboden und in den Abteilungen, wozu zusätzliche Schränke aufgestellt werden mussten. Es ist schwer zu sagen, in welchem Umfang Akten in den Jahren 1945 bis 1946 während der Besetzung des Rathauses durch die Besatzungsmächte abhanden gekommen sind. Sicher ist dabei vieles abhanden gekommen, unter anderem fehlen auch die Zeitungsbestände von 1930 bis 1945, welche angeblich von der Polizei beschlagnahmt wurden. Im Zusammenhang mit dem Kriegsende wird auch von der Vernichtung von rund 890 Kilogramm Altpapier aus der Verwaltung berichtet. Am 14. Juni 1945 wurden diese Akten vom damaligen Stadtdiener Welke in der Heiligenstädter Papierfabrik abgeliefert, wo sie schließlich eingestampft wurden. Dies dürfte u. a. auch eine  Erklärung für die schlechte Aktenüberlieferung der Jahre 1933-1945 sein. Unter der Leitung des ersten hauptamtlichen Stadtarchivars, Egon Grohmann, wurde das Archiv erneut geordnet, und es fand, soweit es die Umstände zuließen, die Sicherung der Bestände statt. Enorm war allerdings auch die Anzahl der von Grohmann kassierten Akten. Grohmann behielt die Ordnung von 1943 für den Altbestand bei und vergab neue Signaturen für die von ihm bearbeiteten Bestände ab dem Jahr 1943. Die in den Jahren 1957 bis 1977 an das Stadtarchiv abgegebenen Akten wurden von Grohmann gesichtet und archiviert.

Umzug in archivgerechte Räumlichkeiten

Nachdem Egon Grohmann, der seit dem 1. Januar 1979 auch als Kreisarchivar für den Kreis Heiligenstadt tätig war, am 31. Dezember 1990 nach 44 Jahren im Stadtarchiv in den Ruhestand ging, übernahm Alfred Abel am 1. Februar 1991 das Amt des Stadtarchivars. Abel versah den als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ausgelegten Posten bis zum September 1993. Von 1993 bis 1995 war Angelika Anhalt für das Archiv zuständig. Unter ihrer Leitung zog das Stadtarchiv im Jahr 1994 schließlich in das Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs um, in welchem es sich noch heute befindet. Nach ihrem Ausscheiden wurde Günter Siegl 1995 als neuer Stadtarchivar angestellt. Siegl nahm eine Sichtung der seit 1990 an das Archiv abgegeben Akten vor und sorgte für eine Ordnung dieses Bestandes. In seiner Amtszeit erfolgte die Verfilmung des Zeitungsbestandes bis 1949 und einiger bedeutender Altbestände. Nach der Pensionierung Siegls im Juni 1999 war mit Thomas T. Müller erstmals ein Historiker für das Heiligenstädter Stadtarchiv verantwortlich. Seit Dezember 2005 leitet die
Kunsthistorikerin Anne Severin das Stadtarchiv.