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Bedeutende Persönlichkeiten
Theodor Storm (1817 - 1888)
Die Stadt und ihr Dichter, im Falle Theodor Storms ist dies unzweifelhaft Husum, "die graue Stadt", "an der sein ganzes Herz hängt". Dennoch - in den Lebenserinnerungen von Gertrud Storms Tochter und erster Biographin, heißt es: "Nach Vaters Erzählungen umschloss das Wort 'Heiligenstadt' etwas so Schönes, Wundervolles für uns, so daß ich mich scheute, es zu betreten..."
Aus Husum, durch die politischen Verhältnisse vertrieben, findet Storm nach einem Zwischenaufenthalt in Potsdam in den acht Jahren seines Aufenthaltes (1856 - 1864) in Heiligenstadt eine zweite Heimat, aus der er "nur schweren Herzens" scheidet, als ihn seine Landleute in die Vaterstadt zurückrufen. Den Jahren, die er mit seiner Familie und vor allem mit seiner Frau Constanze in der Fremde verbrachte, widmet er später die ergreifenden Erinnerungsverse:
Verloren
Was Holdes liegt mir in dem Sinn,
Das ich vor Zeit einmal besessen,
Ich weiß nicht, wo es kommen hin,
Auch was es war, ist mir vergessen.
...
Im grünen Schatten lag der Ort -Wenn nur der Weite Raum nicht trennte,
Wenn ich nur dort hinüber könnte,
Wer weiß! - Vielleicht fänd ich's dort.
Der heutige Besucher kann - auf den Spuren Storms wandernd - sowohl in der Umgebung von Heiligenstadt, als auch in den Straßen der Stadt selbst zahlreichen Orten aus den Werken Storms, wie aus sehr lebendigen brieflichen Schilderungen dieser Zeit begegnen.
Auf dem Berge, nahe bei St. Martin, der Taufkirche der Töchter Lucie und Elsabe, steht mit dem Schloß das Gebäude, in dem der Kreisrichter Storm "für gewöhnlich zweimal in der Woche Bagatelltag (mit je 20 bis 24 Terminen) und noch einmal Kriminalsitzung hatte" (Brief vom 24. März 1857). Auf dem Heimweg von seiner amtlichen Tätigkeit zur Wohnung der Familie in der oberen Etage der Wilhelmstraße 73 kann seit dem 4. Juli 1988, dem hundertsten Todestag, jeder den Dichter selbst treffen. Vor dem ihm gewidmeten Literaturmuseum steht, die Bronzestatue des Dichters ohne Podest und Sockel mitten auf den Stufen zur Stadt hinab.
"O Heiligenstadt, du feine Stadt,
die Dichter in ihren Mauern hat,
nicht bändereiche, nicht enorme,
doch Storm und seine kleinen Storme."
war eingedenk:
"O Heiligenstadt, beschütz den Mann,Daß er noch vieles dichten kann."
Tilman Riemenschneider (1460 - 1531)
Tilman Riemenschneider wurde um 1460 in Heiligenstadt geboren. Die Familie siedelte zwischen 1465 und 1466 nach Osterode um. Der Vater, Tile Riemenschneider, musste Heiligenstadt wegen seiner Teilnahme an der Mainzer Stiftsfehde verlassen und verlor außerdem seinen Besitz.
Tilman Riemenschneider verbrachte seine Kindheit und Jugend in Osterode. Wahrscheinlich führte ihn die Wanderschaft über Erfurt nach Schwaben und an den Oberrhein. Am 7.12.1483 wurde Tilman Riemenschneider in die St.-Lucas-Gilde Würzburgs aufgenommen. Zwei Jahre später wird er schon als Meister genannt.
Seit 1488 hatte sich der Bildschnitzer als selbstständiger Meister in Würzburg niedergelassen, wo er seine bedeutendsten Werke schuf und große Wertschätzung erfuhr.
Seit 1504 war er Mitglied des Ratskollegiums und wurde 1509 in den Oberen Rat Würzburgs gewählt. Seine Laufbahn erreichte ihren Höhepunkt, als er 1520 zum Bürgermeister gewählt wurde.
Wegen seiner Parteinahme für die aufständischen Bauern 1525 wurde Riemenschneider nach der Niederschlagung der Aufständischen aus dem Rat ausgeschlossen. Er kam für 2 Monate ins Gefängnis und musste dort Folterungen ertragen. So endete der Lebensweg diese bedeutenden Künstlers am 7. Juli 1531 mit seinem Tode in der Anonymität.
Tilman Riemenschneider, der große Bildschnitzer der Spätgotik, arbeitete gleichgut in Lindenholz, Sandstein, Marmor und Alabaster. Er schuf Architekturplastiken ("Adam und Eva", Würzburg), Grabmäler ("Heinrich II. und Kunigunde", Bamberger Dom), zahlreiche Einzelfiguren (Madonnen, Kruzifixe) und Figurengruppen. Bekannter sind aber seine Altäre wie zum Beispiel der Heiligblutaltar der Sankt-Jakobus-Kirche in Rothenburg, der Kreuzaltar der Dorfkirche zu Dettwang und der Creglinger Marienaltar.
Riemenschneider war ein Meister ganz nach dem Herzen seiner Zeit. Seine Arbeiten lassen eine tiefe christliche Lebensauffassung spüren. Sie sind voll Grazie, stillem Ernst und der Harmonie zustrebend.
Das Eichsfelder Heimatmuseum birgt seit 1993 eine sehenswerte Dauerausstellung, die den Besucher über das Leben und Schaffen des Künstlers informiert. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich zahlreiche Nachbildungen von Kunstwerken des berühmten Bildhauers.
1994 wurde der Regelschule im Neubaugebiet 'Auf den Liethen' der Name des berühmten Künstlers verliehen. Vielfältige Aktivitäten tragen zur Würdigung und Auseinandersetzung mit dem Schaffenswerk Riemenschneiders bei, dessen Leben in Heiligenstadt seinen Anfang nahm.
Heinrich Heine (1797 - 1856)
Nach seiner Promotion zum Dr. jur. wollte Heinrich Heine sich um eine Anstellung im preußischen Staatsdienst oder an der Universität bewerben. Als Jude musste er aber mit Zurücksetzungen rechnen. Deshalb suchte der Jurist am 14. Mai 1825 den Superintendenten Georg Christian Grimm zu Heiligenstadt in dessen Wohnung auf, mit dem Wunsch, sich in aller Stille taufen zu lassen. Im amtlichen Taufregister finden wir die Eintragung: "Ein Proselyt, Herr Harry Heine, welcher in Göttingen die Rechte studiert ... empfing bei der Taufe den Namen Christian Johann Heinrich ... Tag der Taufe: der achtundzwanzigste Junius, gegen elf Uhr vormittags. Die Taufe geschah in der Wohnung des Pfarrers" (Auszug aus dem pfarramtlichen Taufregister).
Die Stadt Heilbad Heiligenstadt würdigt den Dichter durch die Benennung des Kurparks in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. 1999 erfolgte in dieser Parkanlage die feierliche Einweihung des von Werner Löwe geschaffenen Heinrich-Heine-Denkmals. Eine Gedenktafel, die am 28. Juni 2000 an der Gartenmauer des evangelischen Pfarramtes enthüllt wurde, gibt den Standort des ursprünglichen Pfarrhauses an, in dem Heine getauft wurde. An diesem Tage wurde auch im Literaturmuseum ein Heinrich-Heine-Zimmer eingeweiht.
Lorenz Kellner (1811 - 1892)
Dr. h. c. Lorenz Kellner war in erster Linie Lehrerbildner. Er setzte sich intensiv für die Verbesserung und Erweiterung der Seminarausbildung ein und bemühte sich auch besonders um die Ausbildung von Lehrerinnen. Darüber hinaus war Kellner pädagogischer Schriftsteller. Er verfaßte 25 Werke in Buchform und zahlreiche Aufsätze für Fachzeitschriften. Für die Herausgabe der "Erziehungsgeschichte in Skizzen" verlieh ihm die Akademie in Münster den Doktorentitel ehrenhalber. Lorenz Kellner war nach 1848 wiederholt Landtagsabgeordneter.
Durch sein Lebenswerk wurde Lorenz Kellner weit über die Grenzen Deutschlands bekannt. Die Volksschullehrer setzten dem bedeutenden Pädagogen 1897 in der Lindenallee ein Denkmal. Die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzene Bronzebüste Kellners wurde zu seinem hundertsten Todestag durch eine neue ersetzt. Der Heiligenstädter Bildhauer Werner Löwe fertigte sie an.
Lehrreich ist der am Sockel des Denkmals eingravierte Spruch: "Was du bist, das wolle sein, und nichts wolle lieber sein."
Heinz Heinlein (1917 - 2005)
Heinz Heinlein ist kein Sohn des Eichsfeldes. Geboren wurde er am 20. März 1917 in Nürnberg, wo er die Kindheit verbrachte. Das Abitur legte er 1936 in Bamberg ab um anschließend in Würzburg ein kunstpädagogisches Studium aufzunehmen. Der Krieg gebot der künstlerischen Laufbahn des jungen Heinz Heinlein zunächst Einhalt. Schwer verwundet hatte er den Krieg und die Kriegsgefangenschaft überstanden.
Nach Heiligenstadt kam er durch seine Ehefrau im Jahr 1946. Dass diese Stadt im Eichsfeld ihm einmal zur dauerhaften, wenn auch zweiten Heimat werden sollte, war für den künstlerisch veranlagten Heinz Heinlein zunächst nicht vorstellbar. Doch so trat es ein. Nachdem er zunächst als freischaffender Künstler gewirkt hatte, absolvierte er 1954/ 55 ein Pädagogikstudium in Nordhausen und Erfurt, um als Kunsterzieher arbeiten zu können. Bis 1979 übter er diesen Beruf an den Heiligenstädter Schulen aus.
Außerschulisch leitete er immer wieder Mal- und Zeichenzirkel, so dass viele Heiligenstädter ihre künstlerischen Grundlagen auf den engagierten Kunsterzieher und Maler Heinz Heinlein zurückführen.
Seine eigentliche Erfüllung fand er jedoch dann, wenn er mit Skizzenblock oder Staffelei sein Motiv gefunden hatte und es zum Bild werden ließ. Dass manches seiner Bilder auch zum Kunstwerk werden sollte, war von ihm nicht gewollt. Dagegen sprach seine Bescheidenheit. Ihm musste es gefallen, wenn es anderen gefiel, freute er sich.
Er malte in Öl, Acryl, Tempera, mit Bleistift und Tusche. Doch seine wahre Meisterschaft erwarb er über das Aquarell. Immer wieder faszinierten ihn die verträumten Winkel Heiligenstadts, der Bundsandstein mit seiner Farbigkeit, das Fachwerk und das Grün und der immer wieder reizvolle Blick zu einem der alles überragenden Kirchtürme. Außerhalb der Stadt war es die abwechslungsreiche Landschaft, die "bucklige Welt", die er immer wieder neu entdeckte.
Heinz Heinleins Lebenswerk ist eine Bestandsaufnahme der liebevollen Art, ein Kompliment an die Landschaft, die ihm zur Heimat wurde, und deren Bewohner ihn heute als einen der Ihren sehen - einen "Maler des Eichsfeldes".
Heinrich Kellner (1783 - 1870)
Der Vater Lorenz Kellners war ein Schüler Johann Heinrich Pestalozzis. Nach seiner Ausbildung bei dem berühmten Pädagogen in der Schweiz gründete Heinrich Kellner 1812 eine Privatschule. Zusammen mit Professor Lingemann bemühte er sich rastlos um die Verbesserung der Volksbildung.
In Anerkennung seiner Verdienste um die Reformierung des Schulwesens auf dem Eichsfeld wurde er 1836 zum Direktor des neugegründeten Lehrerseminars ernannt.
Heinrich Kellner führte Lehrerfeste ein. Diese Treffen fanden alljährlich bei der "Schulmeisterbuche" in der Nähe der Burg Scharfenstein statt. Er war an der Entwicklung der Bürgerschule beteiligt und 1829 Mitgründer der Berufsschule in Heiligenstadt.
Hermann Iseke (1856 - 1907)
Der in Holungen geborene Iseke besuchte ab 1868 das Heiligenstädter Gymnasium. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften, das er als Dr. jur. abschloß, befasste sich Hermann Iseke mit Philosophie und Germanistik. Dabei reifte der Entschluss, Priester zu werden. 1883 empfing er die Priesterweihe und war dann Kaplan in Dingelstädt sowie Pfarrer in Wachstedt. Der humorvolle und tatkräftige Priester meldete sich 1892 für schwerere Aufgaben in der Militärfürsorge, um Soldaten zu betreuen und ihnen in seelischer Not zu helfen. Sein weiteres Wirken führte über China nach Südafrika. Dort starb er 1907 an Malaria. Die Überführung der sterblichen Hülle erfolgte noch im gleichen Jahr. Am 24. Juli 1907 wurde der Dichter des Eichsfeldliedes auf dem Friedhof in Holungen beigesetzt.
Der "Dichter des Eichsfeldliedes" verfaßte zahlreiche, teils humoristische Gedichte und Schriften, die er mehrfach unter Pseudonymen (Bernardus Americanus, Emanuel Bimstein) herausgab.
Im Jahre 1895 erschien ein Epos über die "Hl. Elisabeth von Thüringen" und 1893 eine Nachdichtung von Thomas von Kempens "Nachfolge Christi". Am meisten bekannt wurde "Gottfried der Student - ein moralisches akademisches Epos", das1895 herauskam.
Im "Eichsfelder Sang" wird Hermann Iseke weiter fortleben. Dieses Lied hat selbst in schweren Zeiten die Eichsfelder in der Heimat und vor allem in der Ferne zusammengeführt. Bei Wallfahrten und auch zum Abschluss der Friedenskundgebungen vereinte es Tausende im gemeinsamen Gesang:
Bist du gewandert durch die Welt,
auf jedem Weg und Pfade,
schlugst auf in Nord und Süd dein Zelt,
an Alp und Meergestade.
Hast du mein Eichsfeld nicht gesehen
mit seinen burggekrönten Höhn
und kreuzfidelen Sassen,
dein Rühmen magst du lassen!
Dort, wo die jinge Leine fließt,
die Unstrut wallt zu Tale,
der Hülfensberg die Werra grüßt,
der Ohmberg seine Hahle,
die Wipper flutet durch die Au'
landauf, landab welch feine Schau
auf Tal und Hügelketten
und schmucke Siedelstätten ...
Johann Georg Lingemann (1770 - 1830)
Der gebürtige Heiligenstädter besuchte das Gymnasium, welches er als Primus defendes (bester Schüler) verließ. Nach dem Studium der Theologie war er in Streitikgeiten mit dem Landesfürsten verwickelt, die ihm sogar vier Jahre Gefängnishaft einbrachten. 1797 erhielt er eine Professorenstelle für Physik am Gymnasium in Heiligenstadt. Bis zu seinem Tode im Jahre 1830 war er an der Schule tätig und hat in dieser Zeit Hervorragendes für die Bildungseinrichtung und für die Stadt geleistet.
1801 - Anfertigung des Grundrisses von Duderstadt. 1803 führte er eine Landesvermessung des Eichsfeldes durch. 1805 - 1830 Direktor des Gymnasiums. 1806 Anfertigung einer Spezialkarte für das Eichsfeld (das Original ist noch im Museum vorhanden). 1811 regte er Heinrich Kellner an, ein Studium bei Johann Heinrich Pestalozzi aufzunehmen. 1816 führte Professor Lingemann den Turnunterricht ein (Turnvater des Eichsfeldes), begründete als Mitglied der Schulkommission die Bürgerschule und ließ 1824 deren neues Gebäude bauen.
1999 wurde dem Staatlichen Gymnasium der verpflichtende Name "Johann-Georg-Lingemann-Gymnasium" verliehen.
Philipp Knieb (1849 - 1915)
Der am 25. April 1849 in Niederorschel als Lehrersohn geborene Philipp Knieb besuchte das Gymnasium in Heiligenstadt und studierte anschließend Theologie. Nach der Priesterweihe 1872 in Paderborn war er zunächst Kaplan in Kallmerode, dann Pfarrer in Westhausen, Pfaffschwende und Breitenworbis. Philipp Knieb beschäftigte sich in seiner Freizeit mit dem Studium der allgemeinen und engeren Heimatgeschichte. Der Gelehrte mit vielseitiger Bildung wurde 1902 zum ersten Assessor des Kommissariats zu Heiligenstadt ernannt.
Sein reiches Wissen schenkte er in Schriften der Mit- und Nachwelt: "Reformation und Gegenreformation auf dem Eichsfelde", Heiligenstadt 1900, "Geschichte des Martinsstiftes zu Heiligenstadt", Heiligenstadt 1906/ 1907, "Der Bauernkrieg auf dem Eichsfeld", Heiligenstadt 1912. Der Geistliche Rat Philipp Knieb erwarb sich große Verdienste um die Gründung, den Aufbau und die Leitung des Vereins für eichsfeldische Heimatkunde.
Konrad Martin (1812 - 1879)
Der am 18. Mai 1812 in Geismar geborene Konrad Martin besuchte das Heiligenstädter Gymnasium und studierte in München, Halle, Würzburg sowie Münster. Nach der Priesterweihe 1836 zu Köln war Dr. Konrad Martin Religionslehrer und Universitätsprofessor in Wipperfürth, Köln und Bonn. 1856 erhielt er die Bischofsweihe, und es erfolgte seine Inthronisation als Bischof von Paderborn. In der schweren Zeit des Kulturkampfes hielt Dr. Konrad Martin standhaft an seinem Wahlspruch fest: "Predige, sei es gelegen oder ungelegen." Geldstrafen, Verhaftung, Gefängnis und Festungshaft sowie staatliche Absetzung konnten den Bekennerbischof in seiner konsequenten Haltung nicht brechen.
1875 gelang Dr. Konrad Martin die Flucht nach Holand. Später fand er in Mont St. Guibert (Belgien) Asyl.
Nach vier Jahren Verbannung starb der heimatverbundene Bischof am 16.7.1879 und wurde im Dom zu Paderborn beigesetzt. Bischof Martin gründete 1857 das bischöfliche Kovikt in Heiligenstadt. 1860 berief er die Franziskaner auf den Hülfensberg und 1866 auf den Kerbschen Berg bei Dingelstädt. Die Einkleidung der ersten vier Schwestern der Kongregation der hl. Maria Magdalena Postel (Heiligenstädter Schulschwestern) erfolgte 1862 in der Neustädter Pfarrkirche. 1869/70 nahm der Eichsfelder Bischof am I. Vatikanischen Konzil teil.
Die Eichsfelder errichteten 1933 auf dem Hülfensberg, unweit seines Heimatortes Geismar, ein Kreuz zum Gedenken an ihren Bischof, das 1991 restauriert und neu eingeweiht wurde. Jetzt strahlt das Konrad-Martin-Kreuz wieder weithin sichtbar als Symbol der Glaubenstreue sowie der Verbundenheit der Eichsfelder daheim und in der Ferne.
Thomas Müntzer (um 1490 - 1525)
Der Wiedertäufer, Prediger und Bauernführer kam zusammen mit Heinrich Pfeiffer am 2. Mai 1525 mit dem Bauernheer nach Heiligenstadt. Der Rat der Stadt musste sich dem inneren und äußeren Druck beugen und ließ zunächst noch am Abend Heinrich Pfeiffer mit Begleitung in die Stadt ein. Am Morgen des 3. Mai erlangte auch Thomas Müntzer Einlaß.
Die beiden Bauernführer verhandelten mit den Ratsherren. Im Ergebnis wurden alle Vorrechte der Stiftsherrschaft abgeschafft. Thomas Müntzer predigte zunächst in der Liebfrauenkirche und setzte dann seine Predigt auf dem Kirchhof fort. Anschließend stürmten die aufgebrachten Bürger die Stiftshäuser und vernichteten die Privilegienbriefe. Die Bürger der Stadt versorgten die aufständischen Bauern mit Proviant, bevor diese am 4. Mai in Richtung Duderstadt abzogen.
Conrad Zehrt (1806 - 1893)
Der Bischöfliche Kommissarius zu Heiligenstadt und Ehrendomherr zu Paderborn wurde 1806 in Heiligenstadt geboren. Er besuchte von 1817 bis 1824 das hiesige Gymnasium und studierte anschließend Theologie. 1839 kam er als Pfarrer der Neustädter Gemeinde nach Heiligenstadt zurück und wurde zugleich Assessor am Geistlichen Kommissariat. Dr. Conrad Zehrt war seit 1863 als Bischöflicher Kommissarius Tag und Nacht für sein Eichsfeld besorgt: er gründete 1845 das Krankenhaus, 1857 das Knabenseminar, 1858 den Gesellenverein und berief 1862 die Schulschwestern. 1856 gründete Zehrt das Kloster auf dem Hülfensberg und 1866 das zu Dingelstädt auf dem Kerbschen Berg. Schon halb erblindet, schrieb er noch die "Eichsfelder Kirchengeschichte". Zu seiner Zeit war Dr. Conrad Zehrt einer der hervorragendsten und volkstümlichsten Männer des Eichsfeldes.
Charlotte Heidenreich (1788 - 1859)
Charlotte Heidenreich wurde am 12. September 1788 als Tochter des Regierungsrates Johann Georg Heiland in Heiligenstadt geboren. Nach dem frühen Tode des Vaters (1793) heiratete ihre Mutter, die Witwe Regina Josepha Heiland, den aus Göttingen kommenden Stadtarzt und Physikus Damian von Siebold, der Charlotte und ihre Schwester Therese adoptierte. 1797 zog die Familie nach Worms und wählte später den Wohnsitz in Darmstadt. Charlotte Heiland (genannt Siebold) interessierte sich sehr für den Beruf ihrer Eltern und wurde von ihnen systematisch unterrichtet. Ab 1811 studierte sie zwei Jahre in Göttingen. Am 12. September 1814 erteilte ihr das Großherzogliche Medicinal-Collegium in Darmstadt nach einer Prüfung die Erlaubnis zur Ausübung der Geburtshilfe. Ihre Abschlußprüfung fand am 26. März 1817 an der Universität Gießen statt. Nach der Disputation wurde Charlotte Heiland vom Dekan der Medizinischen Fakultät öffentlich zur "Doktorin der Geburtshilfe" ernannt und proklamiert.
Die erste "Doktorin der Geburtshilfe Deutschland" übte ihren Beruf in Darmstadt und Umgebung erfolgreich aus. Sie war bald weit über die Region hinaus bekannt und wurde auch ins Ausland gerufen.
Am 2. März 1829 heiratete Charlotte Heiland den Oberstabsarzt Dr. Andreas August Heidenreich.
Charlotte Heidenreich war bis zu ihrem Tode am 8. Juli 1859 unermüdlich tätig. Sie erwarb sich große Verdienste beim Ausbau des Darmstädter Hospitalwesens. Kurz nach ihrem Tode wurde ihr zu Ehren von Darmstädter Frauen eine "Charlotte-Heidenreich-von-Siebold-Stiftung" zur Unterstützung notleidender Wöchnerinnen ins Leben gerufen und eine Straße nach ihr benannt. Allseitige Anerkennung auf dem Gebiet der Geburtshilfe fanden auch die Leistungen ihrer Mutter, Regina Josepha von Siebold (1771-1849), die als zweite deutsche Frau den akademischen Grad eines Doktors erhielt.
Johann von Zwehl (1580 - 1652)
Landschreiber des Eichsfeldes, Kurfürstlicher Rat und Stadtschultheiß. Der Stadtverteidiger im Dreißigjährigen Krieg wurde vom Kurfürsten für seine Verdienste mehrfach belohnt und geadelt. Er war im Besitz der Alten Burg als Hansteinisches Lehen.
Johann von Zwehl kaufte 1618 das vom Schultheißen Andres Reuter gebaute Freihaus (Reichshof beziehungsweise Preußischer Hof) und 1621 die vor der Stadt liegende Papiermühle (Portal am Werner-Martin-Weg 2 beachten).
Die Familie Zwehl stiftete den Vierzehn-Nothelfer-Altar in der St. Aegidien-Kirche.
Josef Streb (1893 - 1976)
Der am 12. September 1893 zu Somborn in Hessen geborene Josef Streb war nach seinem Theologiestudium in Fulda Kaplan zu Hilders, Großauheim und Kassel, dann Pfarrer in Witzenhausen sowie Birkungen. 1945 trat er in Heiligenstadt die Nachfolge von Adolf Bolte als Pfarrer von St. Marien, Dechant, Propst und Bischöflicher Kommissarius des Eichsfeldes (1945-1967) an. Propst Streb ist es zu verdanken, dass in der schwierigen Nachkriegszeit die christlichen Traditionen auf dem Eichsfeld in ihrer großen Vielfalt erhalten blieben und fortleben konnten (Palmsonntagsprozession, Männerwallfahrt u.a.).
Die Erneuerung der Türme von St. Marien erfolgte 1951-1954 unter seiner Regie. Prälat Streb starb am 5. April 1976 und wurde auf dem Priesterfriedhof bei St. Marien beigesetzt. Am 12. September 1993 erhielt der neugestaltete Platz am ehemaligen Brauhaus seinen Namen. Monsignore Streb stellte sein Leben in den Dienst des Menschen. Er wird im Gedächtnis derer weiterleben, die sein segensreiches Wirken selbst erleben durften.
Schwester Placida Viel (1815 - 1877)
Victoria Eulalia Jaqueline Viel wurde am 26. September 1815 in Val Vacher (Normandie) geboren. Den Namen Schwester Placida erhielt sie bei der Einkleidung am 1. Mai 1835 in der Abtei Saint-Sauveur-le-Vicomte von der Gemeinschaft der heiligen Maria Magdalena Postel.
Nach dem Tode der Ordensgründerin im Jahre 1846 wurde Schwester Placida deren Nachfolgerin. Als Generaloberin der Kongregation weilte sie mehrere Male in Heiligenstadt: am 29.5.1862 zur Aufnahme der ersten vier Lehrerinnen als Postulantinnen; am 7.10.1862 zu deren Einkleidungsfeier und der Gründung des deutschen Zweiges der "Gemeinschaft der Schwestern von den christlichen Schulen der Barmherzigkeit".
Schwester Placida starb am 4.3.1877 nach einem segensreichen Wirken in Saint-Sauveur-le-Vicomte.
Der deutsche Zweig der Ordensgemeinschaft breitete sich rasch aus. Die "Mutter der Kinder, der Armen und Kranken" wurde am 6. Mai 1951 seliggesprochen.
Athanasius Kircher (1602 - 1680)
Athanasius Kircher wurde am 2. Mai 1602 in Geisa/ Rhön geboren. Er genoß eine sorgfältige Schulbildung und studierte in Fulda und Mainz (Mathematik, Physik, klassische sowie orientalische Sprachen). Nach seinem Lehramt in Köln und Koblenz kam er 1623 als Lehrer an das Gymnasium in Heiligenstadt. Kircher unterrichtete die unteren Klassen. In der Freizeit konnte er sich noch mit mathematischen und physikalischen Untersuchungen beschäftigen. Eine Sonnenuhr, die wir heute noch am südlichen Turm der Marienkirche vom Kolleghof her sehen können, entstand unter anderem in dieser Zeit.
Der vielseitig begabte Lehrer hielt 1624 der Mainzer Gesandtschaft, die sich auf einer Visitationsreise auf dem Eichsfeld befand, eine begeisternde Begrüßungsrede. Die Lobrede war in acht Sprachen verfasst. Außerdem stellte Kircher der Gesellschaft mit einer "Komödia" seine eigene Dichtung vor. Zur Darstellung nutzte er die sogenannte "Zauberlaterne". Damit gilt Kircher als der Erfinder der "Laterna Magica".
Der Kurfürst ließ den begnadeten Lehrer an seinen Hof nach Aschaffenburg berufen. Athanasius Kircher empfing die Priesterweihe. Später erhielt er eine Professur der Mathematik und Philosophie in Würzburg. Forschungsreisen führten ihn nach Malta, Neapel und Rom.
In Rom galt Kircher als "Leuchte deutscher Gelehrsamkeit". Er versuchte, die Hieroglyphen des ägyptischen Obelisken auf dem Petersplatz zu entschlüsseln und gründete das nach ihm benannte Museum im Collegio Romano. Leibniz schätzte Kircher als Wissenschaftler, der am 28. November 1680 in Rom starb, sehr.
Johannes Wolf (1743 - 1826)
Der "Geschichtsschreiber des Eichsfeldes", in Kreuzebra geboren, besuchte die Elementarschule und ab 1753 das Gymnasium in Heiligenstadt. 1759 trat er als Novize in den Jesuitenorden ein. Nach dem Empfang der Priesterweihe im Jahre 1773 war er noch bis September 1773 als Lehrer am Jesuitenkolleg tätig, unterrichtete dann bis 1785 weiter als Weltpriester an der fortbestehenden Einrichtung. 1785 verlieh ihm der Kurfürst das Kanonikat am St. Petersstift in Nörten. In seiner Freizeit erforschte Wolf die Geschichte des Eichsfeldes; seine Studien legte er in heute noch für die Heimatgeschichte bedeutsamen Werken nieder: "Politische Geschichte des Eichsfeldes", Göttingen 1797; "Geschichte und Beschreibung der Stadt Heiligenstadt", Göttingen 1800; "Eichsfelder Kirchengeschichte", Göttingen 1816 und andere Studien.
Schon zu Lebzeiten wurde Johann Wolf sehr geschätzt. Seine zahlreichen Veröffentlichungen brachten ihm viele Ehrungen und die Anerkennung der wissenschaftlichen Welt ein. Am 12. Februar 1801 verlieh der Magistrat Heiligenstadts dem bedeutendsten Eichsfelder Heimatforscher die Ehrenbürgerwürde der Stadt.
Friedrich Wilhelm Grimme (1827 - 1887)
Am 25. Dezember 1827 wurde Friedrich Wilhelm Grimme als Sohn eines Lehrers in Assinghausen (früher Kreis Brilon) geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Brilon und anschließend in Arnsberg. 1847 begann Grimme ein Philologiestudium in Münster, das er 1852 erfolgreich mit dem Staatsexamen abschloss. Nach dem Probejahr zu Brilon und Arnsberg unterrichtete der spätere Oberlehrer von 1856-1872 in Paderborn.
Von 1872 bis 1885 war Friedrich Wilhelm Grimme als Gymnasialdirektor in Heiligenstadt tätig. Dr. Konrad Martin, der vom Eichsfeld stammende Bekennerbischof in Paderborn, hatte sich dafür eingesetzt, dass der bekannte Pädagoge die Leitung des Königlich Katholischen Gymnasiums übernahm.
Grimme gilt in seiner Heimat als der "Dichter des Sauerlandes". Der hervorragende Lehrer erlangte Popularität durch seine Schnurren, Schwänke und Lustspiele in sauerländischer Mundart. Ein großer Teil der Dichtungen entstand in den dreizehn Jahren seines Heiligenstädter Wirkens. Der Volkspoet beschäftigte sich darüber hinaus mit zahlreichen Themen des Eichsfeldes. Aufsätze über Geologie, Geographie, Geschichte und Volkskunde der Region veröffentlichte Grimme in Zeitschriften, Zeitungen und Kalendern. Sein botanisches Interesse kommt in den Veröffentlichungen "Flora von Paderborn" und "Übersicht der bei Heiligenstadt beobachteten Phanerogamen, Gefäß-Kryptogamen und Laubmoose" zum Ausdruck. Der vielseitig talentierte Grimme erhielt für seine Verdienste die Ehrendoktorwürde der Akademie Münster. Am 3. April 1887 erlag der Sechzigjährige einem Herzversagen und wurde auf dem Zentralfriedhof in Münster beigesetzt.
Grimme liebte das Eichsfeld als seine zweite Heimat. Leider ist er weitgehend in Vergessenheit geraten.




















